Fuchsräude grassiert im Baselbiet
Vor allem in den Bezirken Arlesheim, Laufen und Liestal sind viele Füchse von der Räude befallen. Die hochansteckende Hautkrankheit verläuft für Wildtiere fast immer tödlich. Infizierte Hunde können behandelt werden.
Das tönt dramatisch: unter dem Titel «Dringender Aufruf an die Bevölkerung» weist der Reigoldswiler Jagdaufseher im neusten lokalen Mitteilungsblatt darauf hin, dass der Fuchsbestand in Reigoldswil stark von Räude befallen sei. Das sei eine der gefährlichsten Wildkrankheiten, schreibt der Jagdaufseher und bittet die Bevölkerung, keine Katzenteller im Freien aufzustellen und keine Lebensmittel im offenen Kompost zu deponieren.
Dass die hochansteckende Krankheit auch bei den Reigoldswiler Füchsen grassiert, ist für Kantonstierarzt Ignaz Bloch neu, doch auch für ihn ist die Situation alles andere als harmlos: «Wir haben vor allem in den Bezirken Arlesheim, Laufen und Liestal ein Problem mit der Räude. Die Krankheit ist Ausdruck eines zu hohen Fuchsbestands.» Besonders stark sei sie in Arlesheim und Umgebung, sowie im Raum Liestal-Seltisberg verbreitet. Die Räude ist eine Hautkrankheit, die durch verschiedene Milbenarten verursacht werden kann, wie die tiermedizinische Fakultät der Universität Bern auf ihrer Homepage schreibt. Bei den Wildtieren spiele vor allem die Grabmilbe Sarcoptes scabiei eine Rolle.
Der Parasit hat seinen Namen nicht von ungefähr: Die Grabmilben graben Bohrgänge in die Haut des befallenen Tieres, in die sie ihre Eier und ihren Kot absetzen. Ernähren tun sich die Milben von den Hautzellen und der Gewebeflüssigkeit der infizierten Tiere. Diese reagieren – vermutet wird als Folge einer Allergie auf die Milben und ihre Abfallprodukte – mit stark juckenden Hautveränderungen. Die Räude endet für die Wildtiere nach einer qualvollen Leidenszeit fast immer tödlich. Todesursache sei Blutarmut und allgemeine Auszehrung sagt Bloch. Letzteres, weil die geplagten Tiere kaum noch Zeit für die Nahrungssuche fänden.
Übertragen wird die Räude durch Kontakt von Tier zu Tier. Deshalb sind Epidemien nur bei sozial lebenden Tieren wie Füchsen, Wölfen oder Gämsen bekannt. Die Krankheit kann aber auch Mensch und Hunde befallen, wobei sie beim Menschen meistens spontan abheilt. Bei Verdacht auf Räude bei einem Hund empfiehlt Bloch, einen Tierarzt aufzusuchen.
