BARFEN - eine Modeerscheinung?
BARF ist eine von vielen möglichen Fütterungsarten von Hunden und Katzen. Auch wenn das Futter „nur“ roh vorgesetzt wird, braucht es Fingerspitzengefühl, damit die Haustiere nicht zu kurz kommen.
Autorin: Mary Winzenried, Tierernährungsberaterin
Zunächst ist vorauszuschicken, dass ich bei der Tiernahrung aus ernährungsphysiologischer Sicht keine Fütterungsart bevorzuge. Im Vordergrund steht für mich einzig das Heimtier, das einen legitimen Anspruch auf artgerechte und ausgewogene Ernährung hat. Und diesen Anspruch muss der Tierhalter bestmöglich erfüllen. Bestimmende Faktoren sind das Tier und seine Lebenssituation. Kommt hinzu, dass auch die Möglichkeiten des Tierhalters bei der Auswahl der Fütterungsart zu berücksichtigen sind. Kann er sich mit Ernährungsfragen seines Heimtieres befassen, kann er kochen und hat er überhaupt genügend Zeit, seinen Liebling regelmässig zu bekochen? Viele Fragen und Aspekte, die es zu klären gilt, bevor man eine Fütterungsart priorisieren kann.
Kategorisches Verfechten der einen oder anderen Möglichkeit ist deshalb fehl am Platz. Der Tierhalter muss sich über die Ernsthaftigkeit des Fütterns im Klaren sein und sich damit auseinander setzen. Einfach einen „Trend“ mitzumachen wäre falsch. Das gilt auch beim BARF. Im Folgenden werde ich mich speziell mit dieser Thematik auseinandersetzen.
Was bedeutet BARF ganz genau?
BARF steht für „Biologically apropriate raw food“ oder in der deutschen Übersetzung „biologisch artgerechtes rohes Futter“ mit Betonung auf artgerecht und roh. Hunde und Katzen werden also in Analogie zur freien Natur mit rohem Fleisch, rohem Gemüse und ungekochten Knochen gefüttert. Hunde stammen vom Wolf ab und würden sich wie dieser nicht nur vom Fleisch der Beutetiere ernähren, sondern auch von deren Mageninhalt. Da dies in der Regel Pflanzenfresser sind, frisst der Hund also indirekt auch Beeren, Kräuter, Gräser und andere Pflanzen. Getreide hingegen weniger, und das ist genau der Hauptbestandteil von vielen industriellen Fertigfuttern. Ähnlich sieht es bei der Katze aus, die in der freien Natur ihre Beutetiere, vor allem Nager, Frösche und Lurche, mit Haut und Haaren vertilgt.
BARF – unbedenklich?
Wissenschaftliche Studien zur Ernährung von Haustieren mit BARF fehlen bis heute, obwohl die Methode schon einige Jahrzehnte praktiziert wird. Viele Tierärzte stehen der Fütterungsart skeptisch gegenüber, andere wiederum sind strikte Befürworter. Allgemein ist aber festzustellen, dass BARF auch bei uns an Popularität gewinnt. Viele Besitzer von Hunden und Katzen wurden durch gesundheitliche Probleme ihres Lieblings angeregt, sich mit seiner Ernährung zu befassen. Und weil sie gleichzeitig auf zu viel Getreide als Energielieferant für ihr Tier verzichten wollen, weil dieses nicht der natürlichen Ernährungsweise von Hund und Katze entspricht, sehen sie im BARF eine echte Alternative. Das ist ein durchaus gangbarer Weg, aber nur, wenn gewisse Aspekte genau beachtet werden. Dazu muss sich der Tierhalter vorgängig intensiv einlesen und informieren – noch besser – den Rat einer Tierernährungsberaterin einholen.
Wie ernährt man also mit BARF?
Erste Grundregel ist: Alles wird roh verfüttert! Die Futterbestandteile werden weder gekocht noch erhitzt, damit Vitamine und andere wichtige Nährstoffe, die bei hohen Temperaturen verloren gehen, eben erhalten bleiben. BARF setzt sich zusammen aus rohem Fleisch und Innereien, rohem Gemüse und fleischigen Knochen. Verschiedene Zusätze wie Öle, Kräuter, Milchprodukte, Vitamine und Mineralien können dem Futter zugegeben werden.
Guter Rat ist nicht teuer, guter Rat ist sinnvoll!
Die Erfahrung zeigt zudem, dass der Zeitaufwand für BARF gerade am Anfang nicht unterschätz werden darf. Man muss sich gründlich informieren und viel lesen, um nichts falsch zu machen. Die Erstellung der Futterpläne dauert ohne Übung anfänglich lange. Zudem muss Zeit für die Suche nach Einkaufsmöglichkeiten für Fleisch eingeplant werden. Mit zunehmender Übung verringert sich dann der Zeitaufwand.
Bleibt noch die Frage, ob man einen Hund oder eine Katze mit BARF überhaupt ausgewogen ernähren kann. Tatsache ist, dass es bestimmt nicht möglich ist, seinen Liebling mit rohen Eigenmischungen jeden Tag auf das Milligramm genau ausgewogen zu ernähren. Das erscheint mir aber auch nicht nötig zu sein, weil sich der Aspekt der Ausgewogenheit nicht auf einen einzigen Tag, sondern eben auf einen längeren Zeitraum bezieht. Solange ein Tier zum Beispiel über einen Monat genügend Anteile an allen wichtigen Nährstoffen erhält, ist das Tier ausgewogen und gesund ernährt.
Dazu erscheint es mir wichtig, den fachlichen Rat einer Tierernährungsberaterin einzuholen. Denn erst durch die professionelle Analyse der einzelnen Rohfutterbestandteile und ihre Kombination sowie die Abklärung des konkreten Bedarfs des Tieres gewinnt man an Sicherheit, was sich im Interesse der Tiergesundheit sicher lohnt.

