Kaninchen
Immer häufiger werden Kaninchen als Haustiere gehalten. Dafür sollten aber einige Kenntnisse vorhanden sein, denn auch Kaninchen wollen ja glücklich leben!
Kaninchen sind ausgesprochene Gruppentiere. In der Freiheit leben sie in grossen Familien in selbstgebauten unterirdischen Tunnelsystemen. Deshalb ist beim Bau eines Aussengeheges darauf zu achten, dass die Tiere nicht unter dem Zaun durch in die Freiheit entwischen können. Idealerweise sollten die Kaninchen aber graben dürfen!
Allein gehalten in der Wohnung, möglichst noch in einem kleinen Käfig, werden die Kaninchen mit der Zeit oft apathisch, und auch die grösste menschliche Fürsorge kann den artgerechten Partner nicht ersetzen. Aufgrund des absolut anderen sozialen Verhaltens ist auch ein Meerschweinchen nicht der ideale Partner. Innerhalb einer Kaninchengruppe besteht eine strenge Hierarchie! Rammler und Königin haben das sagen, und gar oft bekommt das eine oder andere Mitglied der Gemeinschaft eines hinter die Löffel… Aber fast im gleichen Atemzug können Liebkosungen und Schmusen untereinander wieder im Vordergrund stehen.
Bestimmend für das soziale Verhalten ist vor allem die Sexualität. Häsinnen können bereits nach vier Monaten trächtig werden und dann monatlich vier bis sechs Junge werfen (die Fruchtbarkeit der Kaninchen ist ja sprichwörtlich!). Um eine starke Vermehrung zu verhindern, sollten Rammler deshalb kastriert werden. Eine Frühkastration (also vor der Geschlechtsreife) hat den Vorteil, dass der kastrierte Rammler sofort wieder in die Gruppe eingesetzt werden kann, während ein Rammler nach Erlangen der Geschlechtsreife noch mindestens drei Wochen nach der Kastration fruchtbar ist.
Die Häsinnen haben einen provozierten Eisprung, d.h. der Eisprung erfolgt im Zusammenhang mit dem Deckakt. Wird die Häsin aber daraufhin nicht trächtig, kann dies zu Scheinträchtigkeit führen. Dabei wird nicht nur das Verhalten der Häsin verändert (oft wird sie recht aggressiv), die Scheinträchtigkeit kann auch zu organischen Veränderungen führen, zur Milchbildung, Vergrösserung und schliesslich Vereiterung der Gebärmutter. Aus diesem Grund ist es ratsam, im Einzelfall auch die Kastration der jungen Häsin zu diskutieren, denn für ein gesundes Tier ist die Narkose natürlich weniger gefährlich als für ein krankes Tier.
Kaninchen können wie alle anderen Lebewesen die verschiedensten Krankheiten erhalten. Es würde zu weit führen, hier auf die Einzelheiten einzugehen. Wichtig ist, die eigenen Tiere gut zu kennen, ihr Verhalten immer wieder zu studieren und zu beobachten. So sind Sie in der Lage, bei geringsten Abweichungen (verminderte Futtereinnahme, Abmagern, Apathie usw.) frühzeitig Ihren Tierarzt zu konsultieren und nach den Ursachen der Veränderung zu suchen. Denken Sie daran: je früher eine Krankheit erkannt wird, desto besser stehen die Chancen für eine Heilung!
Nun wünsche ich Ihnen viel Spass mit Ihrer Kaninchengruppe und – ja, es ist schon wieder soweit – eine besinnliche Vorweihnachtszeit und alles Gute für 2010.
Ihr Dr. G. Klaus
